StartseiteBlogSystemisches Qualitätsmanagement – ein möglicher Ansatz in turbulenten Zeiten?

Systemisches Qualitätsmanagement –

ein möglicher Ansatz in turbulenten Zeiten?

Am vergangenen Mittwoch hat mich ein Teilnehmer im Rahmen eines Inhouse-Trainings zum Lachen gebracht. Ich stellte mit aller Routine aus den Problemlösungsmethoden das QM-Werkzeug Ursache-Wirkungs-Diagramm vor. Auch bekannt als Ishikawa- oder Fischgräten-Diagramm.
Als wir über die Einflussgrößen, die sog. 5M’s (Mensch, Maschine, Material, Methode, Mitwelt) sprachen, kam ein Teilnehmer mit dem „Montag“ um die Ecke. Alle im Raum lachten.
Ich auch – 13 Jahre QM und das höre ich zum ersten Mal.

Jeder Mensch konstruiert sich seine individuelle Wirklichkeit und entwickelt seine Verhaltensmuster aufgrund seiner Erfahrungen. Bekannt ist das Montagsauto oder andere Besonderheiten, die angeblich montags passiert sind.
Also warum den Montag nicht mit in das Ursache-Wirkungs-Diagramm aufnehmen?

Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass der Montag und damit die Mitwelt ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Wenn ich an meine Vergangenheit denke, bin ich oftmals der Versuchung unterlegen, Problemstellungen in direkten „kausalen“ Ursache-Wirkungszusammenhängen zu betrachten. Bei technischen Problemstellungen mag dies funktionieren.

Mann löst schwere Aufgabe

Aber in unserer QM-Welt haben wir es nicht immer nur mit technischen, linearen Problemen zu tun. Vielmehr ärgern wir uns, wenn wir uns die Mühe machen, unsere Organisation in Prozesslandkarten, in Prozessen, Arbeitsanweisungen und Formblätter regelwerkkonform abbilden, aber niemand oder nur wenige sich daran halten:
Sprich, wenn das System nicht gelebt wird!

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Was ist ein System?
Einfach gesagt, ist ein System eine Anzahl von Elementen, die miteinander in ständiger Wechselbeziehung stehen. Jede Veränderung an einem Element bewirkt gleichzeitig eine Veränderung an allen übrigen Elementen. Das gilt vor allem für lebendige Systeme, also für Menschen, Gruppen und Organisationen.

Gemäß der allgemeinen Systemtheorie ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile, nämlich auch die Summe der Beziehungen dieser Teile zueinander. Wenn also in einem Organisationssystem alles mit allem in ständiger Wechselbeziehung steht, müssen wir uns vom klassischen Ursache-Wirkungs-Denken verabschieden und eine alternative Perspektive einnehmen – die systemische Perspektive.

Aus der systemischen Perspektive ist die Problemstellung im Kontext der Gesamtorganisation zu betrachten.
Die möglichen Betrachtungsebenen können dabei vielfältig sein: Neben operativen Interaktionen (z.B. im Team, in der Abteilung) spielen hierarchische Beziehungen, der Aufgabenkontext, die Zuständigkeitsbereiche oder sonstige Strukturen eine Rolle.
Durch die Beachtung und Ergründung von wichtigen Beziehungen im Organisationssystem können Netzwerkbeziehungen und Kommunikationsmuster deutlich werden.

Bei der Lösungsfindung setzt der systemische Ansatz auf die inneren Ressourcen im System.
Eine zentrale Annahme des ressourcenorientierten Ansatzes besagt, dass jeder Mensch und jedes System die Ressourcen, die er oder es für die Lösung seiner Probleme benötigt, bereits innehat, sie nur noch nicht im Kontext des Problemerlebens aktivieren und nutzen kann.
Es gilt diese Ressourcen zu finden und jeweils die systemischen Kontextfaktoren zu betrachten, welche der Aktivierung der Ressourcen entgegen stehen.

Mann steht an Tafel mit Diagramm darauf

Für unsere kausal und linear konditionierte QM-Welt ist dies eine radikal fremde Perspektive, die eine andere Art des Denkens mit sich bringt.
Die umfassende Betrachtung eines Systems und seiner Mitwelt gelingt aus der „Hubschrauberperspektive“. So kann Distanz zur eigenen Rolle gewahrt werden, sowie die Distanz zum Zusammenspiel von System und Umwelt aufrecht erhalten bleiben, die im hektischen Alltag schnell verloren geht. Diese Denkweise wird wohl zukünftig stärker als je zuvor von QMB’s erwartet. Also sehen wir spannenden Zeiten in der QM-Welt entgegen.

Wenn Sie mehr erfahren möchten, dann freue ich mich auf ein Treffen auf dem [QM-Kongress]() am 29.-30.11.2016 in Göttingen. Dort können Sie mich in einem Intensiv-Workshop zu diesem Thema erleben.

Diese Perspektive vermitteln wir ebenfalls in unseren Trainings Change Management und TQM.
Ebenso lassen wir die systemischen Ansätze in unsere Beratungsdienstleistungen und Veränderungsprojekte unmittelbar einfließen.