Prozessoptimierung liegt im Trend
07.10.2008 - Der Umbruch in der Branche der Finanzdienstleister ist im vollen Gange. Internationale Banken drängen auf den deutschen Markt, die Marktkonsolidierung geht stetig voran, Fusionen und Übernahmen verändern Marktpositionen und Organisationsmodelle. Die Banken sind gezwungen, sich flexibel zu verhalten und schnell den neuen Marktgegebenheiten anzupassen. Gefordert sind klare Marktpositionierungen mit einer Fokussierung der Produkt- und Serviceangebote auf die jeweiligen Zielgruppen.
Artikel vom 07.10.2008 aus der all4finance.de
Diese Umstrukturierungen stellen höchste Anforderungen an die IT in den Banken. Industrialisierungsprozesse müssen maßgeschneiderte Produkte und Dienstleistungen standardisieren und trotzdem eine f lexible Angebotsgestaltung gewährleisten. Die Konsolidierung der Bankenlandschaft durch Zusammenschlüsse und Eigentümerwechsel machen zusätzlich eine Verschmelzung von Systemen notwendig, die schnell und reibungslos abgewickelt werden müssen.
"Die Zeiten der massiven Kosteneinsparungen im IT-Bereich sind endgültig vorbei", meint auch Ralf Weygand, verantwortlich für Business Technology Management im Bereich Financial Services von Kienbaum. "Vielen Vorständen ist klar geworden, dass zumindest ein Teil der negativen Folgen der Subprime-Krise mit Hilfe von noch sensibleren Risikomanagement- und Controlling-Funktionen hätten abgewendet werden können." Für viele Bank-Entscheider gewinnt deshalb, laut Weygand, die IT weiterhin an Bedeutung. "Indifferenziertes Cost-Cutting in der IT nach dem Rasenmäher-Prinzip ist trotz der negativen Quartalsergebnisse kein Thema mehr." Prozessoptimierung im Fokus.
Der verstärkte IT-Einsatz zur Optimierung
und Automation der Prozesse gehört für 82 Prozent der Banken zu den Zielsetzungen der kommenden Jahre. Das geht aus der Trendstudie des Fraunhofer-Instituts "Banken & Zukunft 2008" hervor. Damit wird
die Prozessoptimierung höher eingestuft als die Senkung der IT-Kosten, die 81 Prozent der Banken in den Fokus rücken. Die Banken heben auch in naher Zukunft das Industrialisierungspotenzial und achten
hierbei laut Fraunhofer-Studie hauptsächlich auf Effizienzsteigerung (89 Prozent) und Qualitätsverbesserung (73 Prozent).
Dies bestätigt auch Rüdiger Azone, Vorstandsmitglied von Capgemini sd&m: "Die Bankenbranche steht vor der Herausforderung, Geschäftsprozesse zunehmend über Organisationseinheiten und IT-Anwendungen
zu gestalten und zu optimieren", so der gelernte Diplom-Informatiker. Er weist darauf hin, dass in diesem Zusammenhang nicht nur erhebliche Effizienz- und Qualitätspotenziale bestehen. "Sondern dadurch
wird auch die Basis für strategische Ziele wie die Industrialisierung der Wertschöpfung, die Nutzung von Sourcing-Optionen und die schnelle Anpassbarkeit an Veränderungen gelegt."
Im Fokus: der Zahlungsverkehr
Hauptaugenmerk bei der Umsetzung der Industrialisierungsprozesse liegt auf dem Zahlungsverkehr. Weniger Beachtung findet dagegen die Produkt- und Dienstleistungsentwicklung. Problematisch bei der
Umsetzung der Industrialisierungsmaßnahmen ist für die Banken der enorm hohe Aufwand bei der Integration eines systematischen Prozessmanagements.
Ralf Weygand weist in diesem Zusammenhang auf die zwei wesentlichen IT-Welten hin, die unterschiedliche Herausforderungen beinhalten: "Die standardisierten Infrastruktur-Welten, die wesentlich von großen Rechenzentren dominiert werden, geben den IT-Verantwortlichen natürlich wenig Spielraum bei der Gestaltung und Anwendung von individuellen Lösungen."
Individuelle IT-Strategien
"Ganz anders sieht das natürlich bei Banken aus, die eigene Teams für Anwendungsentwicklung hinzuziehen", so Weygand. "Hier müssen die IT-Verantwortlichen flexible Lösungen zur Verfügung stellen, die auf die individuellen Anforderungen des Instituts abgestimmt sind. Die Aufgabenstellung ist anspruchsvoller und somit auch kostenintensiver als das Zurückgreifen auf standardisierte Modelle."
Die Dominanz der IT wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Multi-Channel-Angebote regieren die Bankenwelt ebenso wie die Nutzung möglicher Industrialisierungspotenziale. Die Auswertung und Nutzung von Kundendaten gewinnt gleichermaßen an Bedeutung wie die Optimierung der Banksteuerung. Hinzu kommt eine hohe Beschleunigung von Veränderungsprozessen, die die Einführung neuer Prozessmodelle in kurzen Zeitabständen notwendig machen.
ndividualsoftware für Spezialaufgaben
Diese Entwicklungen favorisieren den Einsatz von Individualsoftware, die flexibler, anpassungsfähiger
und effizienter als Standardsoftware ist, wenn es darum geht, spezielle Aufgabenstellungen zielgerichtet zu lösen. Denn für die Finanzdienstleister werden standardisierte Lösungen nur bedingt einsetzbar sein. Gerade im Servicebereich müssen die Banken nach Alleinstellungsmerkmalen suchen, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Kundenmarketing, Neukundengewinnung und individuelle Servicekomponenten,
zugeschnitten auf die einzelnen Fokuszielgruppen, lauten die Hebel beim Kampf um den begehrten Kunden.
Um diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden, bedarf es einer internen Steuerung, die eine optimale Basis bietet, um diese strategischen Herausforderungen zu erfüllen. Dazu Michael Endmann, Center of Competence Banken bei Capgemini sd&m: "Initiativen zur Geschäftsprozessoptimierung folgen
den Marktentwicklungen und den daraus resultierenden Geschäftsanforderungen. Schwerpunkte und Vorgehensweisen sind erfahrungsgemäß in den Instituten unterschiedlich ausgeprägt."
Hintergrund
Die Studie von Capgemini sd&m, die von Rüdiger Spies entwickelt wurde, erhebt den Status quo der Branche hinsichtlich des Reifegrads der Geschäftsprozessunterstützung sowie der Zielsetzung der beabsichtigten Verbesserungen. "Sie berücksichtigt dabei sowohl Aspekte der fachlichen Prozessmodellierung als auch der Umsetzung durch die IT", erklärt Endmann. Spies ist Analyst und Independent Vice President Applications bei IDC Central Europe GmbH. Er gilt in Deutschland als einer der einflussreichsten IT-Meinungsbildner und verfügt über eine 25-jährige Erfahrung im Management bei internationalen Unternehmen im technologischen Bereich. Die Studie gibt es im Internet unter www.banken-it-studie.de.
Autor(en): Peter Rensch
Quelle
Gabler Verlag / GWV Fachverlage GmbH
Postfach 1546, D-65173 Wiesbaden
Abraham-Lincoln-Straße 46, D-65189 Wiesbaden
Handelsregister: AG Wiesbaden HRB 9754
UST-ID: DE 8 111 48419
Geschäftsführer: Dr. Ralf Birkelbach, Albrecht Schirmacher
Verlagsleitung: Dr. Ralf Birkelbach
Gesamtleitung Anzeigen: Thomas Werner
Gesamtleitung Vertrieb: Gabriel Göttlinger
Chefredakteur Versicherungsmagazin: Bernhard Rudolf
Chefredakteur Bankmagazin, Bankfachklasse und FinanzBusiness: Peter Rensch
Online-Redaktion: Angelika Breinich-Schilly
Online-Anzeigen: Bettina Willnow
Marketing: Philipp Holsen
Produktmanagement Online: Julia Ostermann
Technik: Robert Schmitz, Andy Bäthe
Presse: Markus Fertig
Redaktion: www.tqm.com Alexander Frank

